Franziska Harnisch
Künstlerin
Meine ästhetische Praxis legt sich auf Unabgeschlossenheit fest und hinterfragt die Grenzen und Sichtbarkeit von Werk, Praxis und Prozess im Internetzeitalter.
Dazu nutze ich Methoden der artistic research und lote dabei Möglichkeiten für die Kombination partizipativer, interaktiver Kunst mit performativen Gesten und Neuen Medien aus. In vielen meiner Arbeiten – prozessbasierte Teilstücke, die in ihrer Korrelation über Jahre hinweg indirekt aufeinander aufbauen spielen Übertragungsmuster, der Begriff von Autorschaft und eine gewisse unkontrollierbare Handlungsentwicklung eine Rolle. Ich hinterfrage aktuelle Phänomene aus Alltag, Internet und social media. Dazu gehören auch existentielle Fragen, die in der digitalen Realität eventuell weniger relevant erscheinen als in der physischen Lebenswirklichkeit. Die Handlung wird hierbei zur künstlerischen Handschrift – und als Begriff über Performance und Aktion hinaus gedehnt: Handeln ist Sein. Es ist Anwesenheit real und digital. Und Handeln ist letztlich auch: Der Handel mit etwas. Dabei muss die Handlung nicht die eigene sein. Mithilfe von Übersetzungsmechanismen und der Setzung von Handlungsrahmen in Form von Objekten oder textlichen Anweisungen evoziere ich die Partizipation von Besucher:innen/ Beobachter:innen/ Follower:innen, die durch das Vollziehen einer Handlung als Alltagsperformer:innen die Arbeit entstehen lassen. Meine Arbeiten bedienen sich bekannten Mustern, Strategien oder Objekten (Kleinanzeigen, social media, Spiel- und Sammelmechanismen wie Karten oder Stickeralben, der Sprache des Merchandisings, vertrauten Handlungen wie dem Anzünden einer Kerze etc.), die in meinem Alltag wie auch dem Alltag der Partizipierenden vorkommen. Die Handlungsrahmen sind plakativ oder präzise und knapp formuliert (‘instagrammable’) und stellen somit eine Vertrautheit und einen intuitiven, unbefangenen, spielerischen Einstieg her.