1000 € brutto als Freelancer
Hallo,
ich im März mit meinem Grafik Design Studium fertiggeworden und bin gerade dabei, mich um eine Stelle als Grafikerin in Berlin zu bewerben.
Ich habe nun ein Angebot bekommen, bei dem ich Vollzeit arbeite und im Monat 1000 € auf Rechnung verdiene. Verdient das Studio mehr, wird auch mein Gehalt angepasst.
Die Aufgaben, die ich habe, klingen sehr interessant – Corporate Design, Dossiers und Webseiten für Dokumentar-Filme – und ich würde viel lernen, aber ich habe die Bedenken, dass ich von 1000€ brutto nicht leben kann. Da alleine die Krankenkasse schon um 270 € kostet.
Hat mir jemand einen Rat?
Vielen Dank
Corina
wir-
Hi Corina,
nachdem Dir ja der Job recht viel versprechend erscheint, solltest Du die Gelegenheit nicht an Dir vorbei ziehen lassen. Nimm sie war, aber halte Dich auf Abruf bereit. Von dem angebotenen Verdienst als solchen wirst Du Dein Überleben nur spärlich beschreiten können, doch wenn Du es als Teilzeit-Job auf Abruf begreifst, so ist die Angelegenheit gar nicht mal so falsch. bei 2-3 Jobs von diesem Kalieber, kannst Du Dich dann ganz entspannt zurück lehnen und der Zukunft ganz gelassen begegnen. Immer hin stehst Du am Beginn Deiner Kajere und da muss man schon mal nach jedem angebotenen Strohhalm greifen, mal ganz abgesehen davon, dass Du dort etwas für Deine Zukunft lernst. Irgend wo muss jeder mal seinen Einstieg in’s Berufsleben finden und es ist recht unüblich in der Chef-Etage damit zu beginnen, oder?
Viel Erfolg, Marc
hallo,
ich muss beiden „vorschreibern“ recht geben.
zum einen musst du ja irgendwo anfangen, um berufserfahrung zu sammeln.
und wenn der job für dich interessant klingt, dann ist das umso besser.
als freiberuflerin könntest du ja auch noch andere jobs annehmen, oder?
du bist ja schliesslich nicht freiberuflerin, um für nur einen auftraggeber zu arbeiten...
dafür sind 1000 euro einfach zu wenig. aber nur mal zum vergleich: ein fotograf mit abgeschlossener ausbildung und mehrjähriger berufserfahrung bekommt als fester im studio meist auch nicht mehr geboten. jaja, ich wiess: ins studium investiert u.s.w. sind natürlich schlagende argumente...
ich würde dir raten, den job zu nehmen. bekanntlich liegen die ja nicht auf der strasse, und du kannst viel lernen. du musst nur aufpassen, dass du dich nicht auf diese sache „parken“ lässt.
als berufsanfängerin 2000-3000 euro brutto zu verdienen, halte ich für ziemlich hochgesteckt.
hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen. viel glück und viele grüsse!
claudia
Hallo Marc,
danke für deinen Zuspruch. Ich weiß, dass 1000€ als Freelancer viel zu wenig sind, aber ich weiß auch, dass die Joblage in Berlin nicht sehr rosig aussieht und man als Hochschulabgänger nur schwer an einem Praktikum oder Trainee vorbeikommt.
Ich habe den Job auch angenommen – nach einem grübelnden Wochende. Und mein erster Eindruck nach 2 Arbeitstagen ist, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Ich sehe diesen Job wirklich als Weiterbildung, da ich viel dazu lernen werde, ohne nochmal den Status Praktikant zu haben.
Viele Grüße
Corina
hallo selig,
kommt darauf an, was man unter fulltime versteht. manche verstehen darunter 37,5 std, manche 50 stunden. mir ist aber klar, dass alles seine grenzen hat...
aber mal ehrlich – findest du es als freiberufler eine seltenheit, 6 oder 7 tage die woche zu arbeiten und seine stunden oft gar nicht mehr zu zählen? ich gehe einfach mal davon aus, dass du auch selbständig bist...
viele grüsse, claudia
Ja du hast recht, ich sollte mir im Klaren sein, wo ich Grenzen setzte. Bis jetzt habe ich immer nur 8h gearbeitet und falls ich Überstunden mache, kann ich die auch freinehmen.
Mein Chef möchte nicht, dass ich neben diesem Job noch andere Projekte mache. Ich kann neue Projekte akquirieren, welche dann aber über die Firma laufen, die dann auch das Geld bekommt und unter den Mitarbeitern aufteilt. Das ist so, weil er möchte, dass alle an einem Strang ziehen und jeder etwas in die Firma investiert. Deshalb verdienen auch alle (auch er) gleich viel.
Er ist wirklich ein sehr freundlicher und gebildeter Mensch, und für ihn ist das auch sicher ein plausibles Konzept, aber für mich leider nicht.
Denn ich möchte mir einen Kundenstamm aufbauen, um langfristig davon leben zu können.
Natürlich werde ich diese Vereinbarung nicht akzeptieren. Von dem hängt unter anderem auch ab, ob ich nach dem Probe-Monat weiterarbeite oder nicht. Eigentlich schade!
Ich bin nämlich gerade dabei meinen Stadtführer über Freiburg für junge Leute verlegen oder selbst produzieren zu lassen. Dieses Projekt war ein 1/2 Jahr Knochenarbeit für meine ehemalige Kommilitonin und mich und das geben wir nicht einfach aus der Hand. (www.noguide.de)
Ist doch verständlich, oder?
Über Meinungen und Vorschläge wäre ich euch dankbar.
Grüße Corina
dein dein chef scheint für große gleichberechtigung zu stehen. hat er viel arbeit verdienst du auch viel. hort sich eigentlich gar nicht so schlecht an. schießlich sitz man ja im selben boot. mir scheint jedoch dein chef nutz die kontakte seiner angestellten zum gemeinwohl seiner firma. was bis zu einem gewissen grad auch in ornung ist. aber eigene projekte würde ich persönlich dafür nicht opfern. denke an deinen namen und dein ruhm. aber probier den job ruhig mal aus.
nun muß ich noch mal was zu rummel loswerden. ich glaube das ist was, worüber wir freelancer uns in berlin immer aufregen. einsatz vieler stunden und wenig erlös. jeder sollte sich eine kosten/nutzen kaklulation für jeden job erstellen. zeitinvestition-kapitalinvest.-erlös. erziehlt man hierbei kein gutes verhältnis sollte man diesen job lieber einen anderen machen lassen. findet der auftraggeber keinen anderen doofen wird er sich schon wieder melden. und was nütz mir schon ein auftrag der nicht meine künstlerische leistung honoriert.
hallo selig,
ich denke, darüber werden sich nicht nur freelancer in berlin aufregen.
berlin ist ja angeblich ein heisses pflaster, dort würde ich auch nie als freier arbeiten wollen.
du hast ja recht, was zeit und erlös angeht. manchmal ist es aber so (gerade am anfang!), dass man gewisse dinge einfach unterschätzt, was den zeitaufwand angeht. und daraus lernt man ja auch wieder was.
ich meinte eigentlich eher zu corina, dass man als freiberufler etwas flexibler sein sollte, was die arbeitszeit angeht.
vielleicht kommt es ja auch immer auf die branche an. als grafiker oder ähnliches hat man es anscheinend immer schwer. gerade was honorare oder
jobs im allgemeinen angeht.
als fotograf aber auch 😉
viele grüsse in die hauptstadt!