Sonderangebot: talentierter Fotograf billiger als…

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Hallo liebe Auftraggeber und Auftragnehmer,
ich schaue hier öfters mal vorbei und beim lesen des Stellenmarktes überkommt mich sehr häufig ein schauriges Gefühl, welches durchaus mit dem Betrachten eines Gruseltrashfilms vergleichbar ist.
Im Idealfall ganz unterhaltsam, manchmal etwas langweilig, aber auch etwas beängstigend.
Jetzt zum Plot einer aktuellen Anzeige (stellvertretend für sehr viele Andere, eigentlich 99%):
ANFANG
„Wir suchen eine(n) talentierte(n) Fotografen/in, um unseren Workshop zu dokumentieren. Dieser findet am 4. Dezember in München auf Englisch statt und dreht sich im Groben um Marketing Konzepte und Strategien.
Neben kompetitiver Bezahlung, bedeutet das für dich die Chance besondere Insights zu erhalten und neue Kontakte zu knüpfen.
4. Dezember 2012
9 – 17 Uhr
Eigenes Equipment
Künstliches Licht
Tagessatz ca 120 € (abhängig von der Qualifikation)
Englisch Kenntnisse sind wünschenswert“
ENDE
WOW. Was ist das denn für ein schräger Film!?!
„kompetitiver Bezahlung“ – klasse Wortschöpfung
„die Chance besondere Insights zu erhalten und neue Kontakte zu knüpfen“ – haha, der war gut. Besonders wenn man sich den zweiten Teil vorstellt → Neue Kontakte mit ebenso kompetitiver Bezahlung 😄
„Eigenes Equipment“, „Künstliches Licht“ → soll wohl professionelles Equipment heissen
„Tagessatz ca 120 € (abhängig von der Qualifikation) “ – UUUUUUIIIIIIIHHHHHH, was war DAS? Tagessatz, nicht Stundensatz! 120€!
Ganz ehrlich, ich habe gelacht. Also war der Unterhaltungswert schonmal gegeben.
Aber ein mulmiges Gefühl bleibt. Wenn so viele Anzeigen mit mehr oder weniger „kompetitiver Bezahlung“ aufgegeben werden, muss es doch tatsächlich Menschen geben, welche sich darauf einlassen.
Das ist der traurige Part: wenn man das entsprechende Equipment für einen Tag mieten würde (und so sollte man zumindest intern kalkulieren- Profiequipment ist in der digitalen Zeit nach 3 Jahren veraltet) läge man bei ca. 250€.
Das heisst man fängt beim 120€ Tagessatz schon mit -130€ an. Nicht schlecht.
Selbständig, Freiberufler? Ja, da darf man folgende laufenden Ausgaben (alleine zu tragen!) nicht vergessen: Kranken-, Renten-, Berufshaftpflicht-, Berufsunfähigskeitversicherung, etc.
Alle zwei Jahre neuer Mac (o.PC 😉, Raid für Datensicherung, Colormanagement, aktuelle Software etc.
Auto und Wohnung/ev. sogar Studio sind auch nicht verkehrt.
Diese Kosten sollte man von seinen persönlich realisierbaren Arbeitstagen auf einen Tag runter rechnen.
Der Minusbetrag, welcher jetzt im Tagessaldo steht ist individuell unterschiedlich.
Nicht individuell ist, dass man sich so oder so ins eigene Fleisch schneidet.
Wer billig anfängt, kommt da sehr schlecht wieder raus. (im Alter Pfandflaschen sammeln → nicht cool)
Lieber an der Qualität arbeiten und dafür auch entsprechend Verlangen (Nutzungsrechte nicht vergessen) und nicht jedes Ausbeuterangebot annehmen (ausser es ist für einen guten Zweck)
So bekommen die Auftraggeber auch langfristig eine gute Qualität und alle sind glücklich. 😉
Good Luck

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