Gestalter Terrance Weinzierl über seine neue Schrift „Kairos“

Die neuste Schrift aus dem Hause Monotype heißt „Kairos“ und wurde vom US-amerikanischen Gestalter Terrance Weinzierl gestaltet. Mit ihren Ecken und Kanten erinnert die Schrift an die sogenannten „Grecian Fonts“, die vor allem 19. Jahrhundert beliebt waren. Terrance Weinzierl verrät unter anderem, warum ihn diese Schriften so faszinieren.

„Looks, die gleichzeitig rau und elegant sind, liegen zurzeit sehr im Trend“

Augenscheinlichstes Merkmal der „Kairos“ sind die holzschnittartigen Formen, welche der Schrift ein rustikales und massives Aussehen verleihen. Slab Serifs und Holfschriften habe Terrance Weinziel schon immer sehr ästhetisch gefunden, wie er im Interview verrät. Überhaupt fasziniert ihn, wie Trends und Techniken sich im Laufe der Zeit verändern. Er habe eine Möglichkeit gesehen, „aus dieser Idee heraus typografischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen“, so der Gestalter, der seit 2008 für Monotype Schriften gestaltet, gegenüber dasauge.

Derzeitig findet man viele Schriften, die grobe Pinsel imitieren oder raue beziehungsweise aufgearbeitete Materialien darstellen. „‚Kairos‘ geht mit diesem Trend und wird ihn hoffentlich auch überleben“, sagt Terrance Weinzierl zuversichtlich.

Dünne Strichstärken waren Herausforderung

Als besondere Herausforderung bei der Gestaltung der „Kairos“ empfand Weinziel die Entwicklung der dünnen Strichstärken, die beim Druck und Rendering sehr empfinden reagieren können. „Sie sollten daher mit Vorsicht eingesetzt werden und sind eher für große Schriftgrößen geeignet“, ergänzt der Gestalter.

Besonders zeitaufwändig sei die Gestaltung der Schatten bei den Display-Schriften gewesen. Diese Schatten seien absichtlich nicht realistisch dargestellt, „da sie nicht wie natürliche Schatten aussehen sollten, sondern etwas abstrakter und grafischer.“

„Bold“ und „Black“ sind Weinziels persönliche Favoriten

Mit 51 Schnitten gehört die „Kairos“ zu den sicher umfangreichsten Schriftfamilien. Zu den persönlichen Favoriten seiner Schrift zählt Terrance Weinzierl vor allem die „Bold“- und „Black“- sowie die mittleren „Condensed“-Schnitte; denn „sie sind sehr gut gelungen und funktionieren großartig in Überschriften.“

Wie viel Leidenschaft und Charakter in seiner Schrift liegen, wird deutlich, wenn man sich die zusätzlichen Symbole wie das Herz und Zahnrad anschaut, die Weinzierl seiner Schrift gegönnt hat: „Das sind zwar nur Schmuck-Elemente, tragen aber – genau wie die Erfahrung des Designers mit den Schriften – zum Charakter der Schrift bei.“

„Kairos“ im Einsatz

Weinzierl weiß nicht nur viel über den Charakter seiner Schrift und die Herausforderungen bei der Gestaltung erzählen. Er hat auch genaue Vorstellungen, wo sich die „Kairos“ gut einsetzen lässt: „Sie würde zum Beispiel gut zu Whisky oder zu etwas Würzigem, Rauchigem passen. Außerdem würde die Schrift meiner Meinung nach sehr gut in einer App für beispielsweise Wandertouren oder für eine Stiefel-Marke funktionieren.“ Richtig eingesetzt könne die „Kairos“ aber auch eher anspruchsvoll und formal wirken, „etwa für eine hochwertige Jeans-Marke“.

Eineinhalb Jahre Entwicklung

Hinter der „Kairos“ stecken eineinhalb Jahre Entwicklungszeit. Im Jahr 2012 existierten bereits einige Prototypen der Schrift. „In den letzten Jahren habe ich einige individuelle, oktogonale Schriften entwickelt und das hat mich motiviert, eine komplette, verkäufliche Schriftfamilie fertigzustellen“, so Weinzierl.

Die „Kairos“ ist seit dem 18. August erhältlich, unter anderem bei Linotype und MyFonts. Der Einzelschnitt kostet 58,31 Euro. Die Gesamtfamilie ist derzeit für 117,81 Euro erhältlich. Terrance Weinzierl ist mit seiner Schrift sehr zufrieden, sieht aber durchaus noch Möglichkeiten „die Schriftfamilie sinnvoll zu erweitern.“

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